Projekt Wintermantel 2.0 - da isser!

Das hat jetzt wirklich etwas länger gedauert. Aber endlich kann ich euch meinen Wintermantel 2.0 zeigen. Mein bisher schönstes Upcycl...



Das hat jetzt wirklich etwas länger gedauert. Aber endlich kann ich euch meinen Wintermantel 2.0 zeigen. Mein bisher schönstes Upcycleprojekt. Wer das Projekt noch einmal nachlesen mag, findet die Beiträge dazu hier (mit Bild vom alten Mantel), hier und hier. Wer darauf jetzt nicht so viel Lust hat, dem erkläre ich es kurz: Vor 6 Jahren habe ich mir meinen allerersten Mantel nach dem Dufflecoat Schnitt aus der Ottobre 5/2011 genäht. Er hat mich all die Jahre warm durch den Winter gebracht, styletechnisch blieb er aber stehen und ich entwickelte mich weiter.


So ist das manchmal eben. Weil ich aber nur das Äußere nicht mehr schön fand, in das Futter nach wie vor aber verliebt war, beschloss ich, den Mantel nicht neu zu nähen sondern ihm ein neues Außen zu geben. Man muss nämlich nicht immer alles neu machen oder wegwerfen, was man nicht mehr mag. Vieles lässt sich aufwerten oder durch ein bisschen Einsatz zum neuen Liebling umgestalten. 


Neu gekauft für den Mantel habe ich den tollen (und schwer abzulichtenden) Softshell von Stoff&Stil und Knebelverschlüsse von Dawanda. Ich hatte mich gegen Druckknöpfe am Windschutz entschieden, weil ich dann erneut Löcher ins Futter stanzen würde, denn die alten Druckknopflöcher waren nicht mehr passgenau. Jetzt hat er noch mehr Dufflecoat Style, oder? 
Die Taschen habe ich aber mit Druckknöpfen und selbstentworfener Klappe verstehen, damit weder Schnee noch Regen in die Taschen perlen kann. Das hatte sich schon bei meiner Herbstjacke bewährt.


Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr die zu langen Ärmel. Das fällt mir übrigens selbst erst jetzt so richtig auf. Ehrlich gesagt stört es mich aber nicht, im Gegenteil. Da ich immer mal wieder meine Handschuhe vergesse, kann ich mir die Ärmel richtig schön weit über die Hände ziehen. Und auch beim Radfahren habe ich so keine kalte Lücke zwischen Handschuhen und Ärmeln. Und wahrscheinlich fällt das bei Bewegung eh nicht auf. Zwischen Softshell und Futter habe ich nach der Anleitung von Verfliest und zugenäht ein Bündchen eingenäht. So schließt der Ärmel innen schön ab und es zieht nicht hinein.

Und wer noch genauer hinschaut sieht: die Blende ist zu kurz. Dammich. Aber da wars schon zu spät und auch kein Stoffstreifen mehr übrig. Nun blitzt unten der (übrigens auch alte und nicht neu gekaufte!) Reißverschluss raus. Irgendwas ist ja immer.


Egal. Jetzt habe ich endlich wieder eine schöne warme Jacke. Eine, die mir richtig gut gefällt. Und ich hoffe, sie noch einige Wochen tragen zu können, bevor sich der maue Winter verabschiedet. Es ist doch toll, was man mit relativ wenig Aufwand ändern kann. 
Übrigens habe ich die Druckknopflöcher im Futter immer noch nicht geschlossen. Eure Idee mit Bügelfolie gefiel mir nicht so sehr und dann hatte ich es einfach vergessen. Irgendwann (oder wohl eher niemals) werde ich sie vielleicht mit ein paar Handstichen sichern. Aber sie sind auch so ohne Probleme einfach da und fransen nicht aus oder so. 


PS.: Habt ihr schon meine super freestyle Mütze mit mega Bommel entdeckt? Die habe ich mir aus Resten meiner Ponchowolle gestrickt und liebe sie sehr. 

Einfach Maschen entsprechend der Maschenprobe passend zum Kopfumfang anschlagen, Rippmuster stricken so breit wie man mag, dann auf einfaches rechte Maschen Muster wechseln und ab ca. 2/3 Kopfhöhe mit Abnahmen beginnen. Im gleichmäßigen Abstand 4x je 2 Maschen zusammenstricken , 1 Masche rechts stricken, 2 Maschen zusammenstricken. Die rechte Mittelmasche bleibt immer an der gleichen Stelle (bei Bedarf Markierer setzen), der Abstand zwischen den einzelnen Abstrickblöcken verringert sich. In jeder 2. Runde wiederholen bis nur noch 4 Maschen pro Nadel übrig sind, dann abstricken und fertig.

Den Bommel kann man gantz ohne Hilfsmittel herstellen: Dazu bin ich nach dieser Anleitung von Jolijou vorgegangen, nur mit mehr Wickelrunden.



Nochmal zurück zum Mantel bzw. zum Nähen. Da tut sich nämlich 2018 grad noch gar nicht viel. Den Mantel hatte ich vor Weihnachten fertig und seitdem ist nur ein Rucksack im Nähzimmer entstanden. Ich beobachte mich grad selbst ein wenig und finde die Entwicklung sehr spannend. Das Thema Nähen werde ich auf alle Fälle hier noch mal aufgreifen. Da bewegt sich ein bisschen was.



Herzlich,
Janine

Verlinkt zu Creadienstag

Stricken: left handed, combined, continental - WHAT?!

Dieser Beitrag ist für alle, die linkshändig stricken . Für alle, die gerne über ihren Tellerrand gucken. Für alle, die linkshändig Strick...

Dieser Beitrag ist für alle, die linkshändig stricken. Für alle, die gerne über ihren Tellerrand gucken. Für alle, die linkshändig Strickende kennen und für alle, die (egal ob linkshändig oder rechtshändig) immer denken, dass sie "komisch stricken"

Es ist ein sehr langer Beitrag mit viel Inhalt. Also nichts für mal eben zwischendurch. Sucht euch am besten einen gemütlichen Platz und lest ihn in Ruhe durch. Vielleicht kann ich der ein oder anderen helfen. Denn der Beitrag ist entstanden aus der Erkenntnis, dass "irgendwas mit dem Stricken" bei mir nicht stimmt.

Derzeit stricke ich (noch immer) am No Frills Cardigan. Ein von oben nach unten in eins zu strickendes Teil, also eines, wo man die Ärmel gleich in einem Zug mitstrickt. Und genau dort, beim Übergang von Reihen zu Runden an den Ärmeln, erkannte ich: mein Maschenbild stimmt mal wieder nicht. Das war mir nicht neu, ich kannte das Problem schon vom Coal Cardigan, ignorierte es aber einfach. Diesmal hat es mich aber geärgert, denn ich wollte/will den No Frills perfekt haben. Daher begann ich zu recherchieren, was mein Problem ist und dieser Beitrag hier ist das Ergebnis.


No Frills Cardigan - mit korrekt gestrickten Ärmeln, der Suche sei dank


Schaut man sich im Netz und in Büchern (in der europäisch-amerikanischen Sphäre) um, so erscheint es, als gäbe es nur eine Art zu Stricken. Fertig. Und die "richtige" Art zu stricken ist die so genannte westliche Art. Dieses "westliche"  oder "normale" Stricken lernt man in fast allen Anfängerkursen und findet sie auch in YouTube Videos. Auch Anleitungen sind mit fast 100% Wahrscheinlichkeit an diese Art angepasst. Aber wie es immer ist auf dieser Welt: es gibt noch mehr! Viele Wege führen nach Rom bzw. zum fertigen Strickwerk. 

Neben der "western" Methode gibt es zum Beispiel die "eastern uncrossed" Version. Diese liefert das gleiche Maschenbild wie die "western" Methode und wird einfach nur genau andersrum gestrickt. Und dann gibt es da noch die Methode des "combined knitting" - eine Mischung aus "eastern" und "western". 

Außerdem kann man alle drei Methoden nicht nur rechtshändig stricken, sondern auch linkshändig. Und den Faden "continental/picking" oder "english/throwing" halten.

Verwirrt? Ich versuche euch heute einiges davon zu erklären, bin mir der Lückenhaftigkeit meines Wissens aber bewusst.* Denn bis Ende Januar 2018 wusste ich von all dem NICHTS. Ich wusste nur, ich stricke nicht wie andere.

*Wenn ihr Fragen habt oder Anregungen: Her damit. Ich bin erst am Anfang eines ganz neuen Wissens!

Ich bin eine left handed, combined knitting, continental Strickerin! 


Ich kann euch sagen, dass diese Info für mich eine Offenbarung ist. Denn endlich hat meine Technik einen Namen und ist nicht mehr nur ein "komisches stricken".  So erschien es mir nämlich, seitdem ich feststellen durfte, dass meine Art zu stricken mit "niemandem" überein stimmt. Nicht nur, weil ich linkshändig stricke, sondern auch generell. Selbst beim schärfsten Umdenken von rechts auf links sahen Videos und Bilder von Maschentechniken nie aus wie bei mir.
Bis ich neulich Jeni Brown im Netz fand. Plötzlich gab es Fotos von einer Strickerin, die GENAU SO wie ich strickt: linkshändig, in der gemischten Ost-West-Technik, den Faden "continental" haltend!

Also stricke ich nur auf eine andere - durchaus bekannte - Weise, und nicht falsch oder komisch! Diese Information ist für mich wichtig. Denn sie sagt mir: Es ist alles richtig, was du tust, du musst nur gewisse Dinge beachten.

Also, nochmal zusammengefasst: Meine Strickmethode ist linkshändig (soviel wusste selbst ich schon), die östliche und westliche Technik verbindend ("combined") und mit dem Faden auf der Seite der nicht arbeitenden Nadel/non working needle ("continental"), was bei mir die rechte Hand ist.

Wie ich auf das Strickwerk gucke (Blick für euch über meine Schulter)

Ich versuche nun, genauer auf die einzelnen Komponenten der Technik einzugehen und diese Erkenntnisse miteinander zu verbinden. Fangen wir mit dem linkshändig Stricken an, unabhängig von "western"/"eastern" oder "combined".



Linkshändig Stricken  - Kein so großes Problem


Die meisten Menschen stricken rechtshändig, weil sie Rechtshänderin sind oder weil ihnen auch als Linkshänderin das Stricken mit rechts beigebracht wurde. Das macht für links Strickende das Lesen von Strickanleitungen schwieriger, denn logischerweise orientieren sich diese an der Mehrheit und sind damit für rechtshändig Strickende ausgelegt.

Nun ist es prinzipiell aber meist nur mit ein bisschen Kopfweh verbunden, die schriftlichen Anleitungen spiegelverkehrt zu lesen. Ich zumindest lese im Text stoisch "links" wo "rechts" steht und andersherum. Natürlich nicht bei der Frage ob linke oder rechte Masche, sondern bei Begriffen wie "linke Nadel" oder "rechte Hand". Genau so bin ich bisher auch bei Anleitungen für besondere Techniken verfahren. Immer wenn es bezogen auf die Händigkeit Begriffe gibt, passe ich sie auf meine Linkshändigkeit an.



Strickschriften lesen

Strickschriften werden in Strickrichtung gelesen. Das bedeutet: In der ersten Reihe von rechts nach links, in der zweiten Reihe von links nach rechts und so weiter. Eben in Strickrichtung für rechtshändig Strickende. Wir linkshändig Strickenden stricken aber die erste Reihe von links nach rechts und folgerichtig die zweite Reihe von rechts nach links. Also stimmt die Strickschrift mit der Strickrichtung nicht überein.

Das hat mir noch nie größere Probleme gemacht. Bei den meisten Musterfolgen ist es tatsächlich egal ob sie links oder rechts beginnen und somit habe ich bisher immer wie die rechtshändig Strickenden gelesen und kam ans Ziel. Bei gestrickten Bildern (zum Beispiel Rentiere gucken alle nach rechts) würde das Muster einfach spiegelverkehrt erscheinen (die Rentiere gucken alle nach links). Ich habe das allerdings noch nicht ausprobiert, es erscheint mir aber logisch.

Ansonsten ist es bei symmetrischen Anleitungen völlig egal. Denn Pullis und Jacken haben zwei gleiche Armausschnitte, der Halsausschnitt ist symmetrisch und so weiter. Linkshändig strickt man dann eben den rechten Ärmelausschnitt oder den rechten Raglan zuerst. Was solls.
Anders ist es bei asymmetrischen Anleitungen, zum Beispiel, wenn Knopflöcher direkt in das Pattern eingestrickt werden. Hier muss sich die linkshändig Strickende die Frage stellen, wo sie diese haben will. Denn wenn die Anleitung nicht angepasst wird, sind sie auf der entgegengesetzten Seite. Das bedeutet bei Frontleisten mit Knöpfen also: Ändern wir nichts an der Anleitung, liegt bei uns die Knopfleiste anders herum. Mir persönlich kommt das sehr entgegen, denn die für Rechtshänderinnen ausgelegte (!) Standardknopfleiste ist eh falsch herum für mich. Möchte man die Leiste aber wie vorgesehen knöpfen (weil z.B. die Jacke für eine Rechtshänderin gestrickt wird), muss man die Seite mit den Knopflöchern in der Anleitung tauschen.

Laut Karen von The Left Handed Knitter kann man symmetrische Strickschriften sogar einfach andersherum lesen, also in der eigenen, links beginnenden Strickrichtung. Hier gelten als Ausnahme Anleitungen, in denen an einem Rand eine Abnahme (bind off) vorgesehen ist. Das finde ich sehr interessant und werde das auf jeden Fall mal testen. Dann spart man sich auch das anpassen der Abnahmen (siehe unten) und die o.g. Rentiere würden wieder in die "richtige" Richtung gucken. :)

Strickrichtung beachten

Manchmal muss man an ein Strickstück neue Maschen anschlagen, zum Beispiel für eine später angestrickte Knopfleiste. Dann ist es wichtig im Kopf zu haben, dass man spiegelverkehrt strickt. Das bedeutet: Wo rechtshändig Strickende oben am Strickstück mit Maschenaufnahme beginnen sollen, müssen wir unten beginnen und umgekehrt (sonst stricken wir auf der falschen Kleidungsseite). Das wiederum bedeutet, dass wir - sofern wir der Anleitung blind folgen - die Knopflöcher auf der linken Seite des Kleidungsstückes (also der Innenseite) stricken. Wenn man das nicht möchte, muss man die Anleitung modifizieren, indem man zB eine Reihe früher oder später (auf der rechten Seite) mit Löchern beginnt. Noch wichtiger ist es, dieses "Problem" im Kopf zu haben, wenn die Knopflöcher nicht von oben bis unten durchgehen! In diesem Fall reicht es, sich einen Überblick zu schaffen, wann in der Anleitung die Löcher gestrickt werden und dann rückwärts zu zählen.



Sagen wir, die Löcher beginnen von oben kommend 6M vom Hals. Dann wird in Abständen die gewünschte Lochzahl gestrickt und dann weiter reinfach rechts bis zum Bündchen. Die Angabe zur Maschenanzahl fehlt hier meistens, weil irrelevant. In dem Fall werden linkshändig Strickende vom Bündchen her kommen und müssen nun ausrechnen, wie viele Maschen bis zum letzten Loch der Anleitung (also dem für sie ersten Loch) zu stricken sind. Das ist eine leichte Rechenaufgabe und nicht wirklich schwierig.

Hier mal ein Beispiel mit 50 Maschen für die Knopfleiste:

Original Anleitung: 6M stricken, Umschlag, 2M zusammenstricken, 4M stricken, Umschlag, 2M zusammenstricken, 4M stricken, Umschlag, 2M zusammenstricken, den Rest stricken.  Es entstehen 3 Löcher im oberen Teil.

Modifizierte Anleitung: Wir rechnen 50M - 20M (6M+2M+4M+2M+4M+2M)= 30M und stricken: 30M stricken, 2M zusammenstricken, Umschlag, 4M stricken, 2M zusammenstricken, Umschlag, 4M stricken, 2M zusammenstricken, Umschlag, 6M stricken.

So schlimm ist es gar nicht, oder?
Abnahmen sind ein Thema für sich. Manchmal haben sie keine Funktion außer, dass das Strickstück kleiner werden soll. Manchmal aber haben sie eine dekorative Funktion oder werden zusammen mit Umschlägen für Lacemuster gebraucht. Und manchmal ist ihre Richtung wichtig, z.B. bei Raglanärmeln.

Geht trotzdem: Gestrickt  nach Anleitung ohne Ahnung von richtungweisenden Abnahmen oder Lochmustern



Abnahmen beim linkshändigen "western" Stricken

Es gibt links geneigte Abnahmen und rechts geneigte Abnahmen. Bei Rechtsstrickerinnen erzeugt das so genannte SSK (= slip slip knit/ 2M wie beim rechts stricken abheben und dann wie gewohnt verstricken) eine links geneigte Abnahme. Und das K2TOG (= knit two together / 2M rechts zusammenstricken) eine rechts geneigte Abnahme.

Bei Linksstrickerinnen ist es, weil wir ja spiegelverkehrt stricken genau andersherum!
Links geneigte Abnahmen durch K2TOG 
Rechts geneigte Abnahmen durch SSK 

Wenn man das erstmal weiß, ist es ganz leicht. Tauscht einfach die Begriffe in der Anleitung aus. Dort, wo die Richtung nicht relevant ist, könnt ihr auch einfach immer 2 Maschen zusammenstricken.

Bitte beachtet, dass Abnahmen beim linkshändig Stricken mit "combined" Methode nochmals anders ist. Mehr dazu gibt es weiter unten.

Weitere Webtips (englisch) zum Thema linkshändig (oder "mirror") Stricken:
knitburo
let me explainKnit




Combined Stricken - auch hier: Kopf an



Nun ist es aber mit dem linkshändig Stricken bei mir nicht getan. Denn ich stricke nicht "western links", sondern "combined links". Das birgt ein paar andere Herausforderungen, die ich versuche hier zu entschlüsseln.

Meines Wissens gibt es drei Arten glatt rechts zu stricken (also Hinreihe rechts, Rückreihe links):
"WESTERN" - hier wird über das vordere Maschenbein gestrickt, bei rechten Maschen wird der Faden im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt, bei linken Maschen gegen den Uhrzeigersinn.
"EASTERN" - hier wird über das hintere Maschenbein gestrickt, bei rechten Maschen wird der Faden gegen den Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt, bei linken Maschen im Uhrzeigersinn.
"COMBINED/COMBINATION" - hier werden rechte Maschen über das hintere Maschenbein, linke Maschen über das vordere Maschenbein gestrickt. Der Faden wird immer im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt.

In Reihen völlig schnurz




"Combined" ist also eine Mischung aus westlicher und östlicher Strickart. Eine gute Übersicht zur Maschenanatomie findet man bei Tina von Tichiro.net. Das ist generell ein sehr aufschlussreicher Text, weil er viel über Varianten und Maschenbild erklärt.

Wichtig ist nun zu wissen, dass bei der "Combined" Methode die rechten Maschen verschränkt gestrickt werden. Das ist nicht schlimm, denn diese Verschränkung hebt sich auf dem Rückweg mit dem Stricken der linken Maschen wieder auf. Somit entsteht ein "normales" glatt rechtes Maschenbild - solange man in Reihen strickt.


Stolpersteine

RUNDEN
Da in Runden die linke Seite entfällt, strickt man bei "Combined" ausschließlich verschränkte rechte Maschen. So habe ich es tatsächlich lange Zeit getan, ohne davon zu wissen. Bei Socken fällt das nur minimal auf, bzw. tut nicht viel am Ergebnis. Nur wenn man die Käppchenferse mit Hin- und Rückreihen strickt, entdeckt man einen Unterschied im Maschenbild.

Unschön wird es bei Kleidung, die von oben nach unten am Stück gestrickt wird. Denn dort wo vom Reihenstricken auf Runden gewechselt wird (=Ärmel) verändert sich das Maschenbild sichtbar. So geschehen bei meinem ersten Cardigan. Erst dachte ich das sei vielleicht so - nein, ist es nicht. Dann hoffte ich, es "wäscht sich aus" - vergebens. Jetzt erst, während ich den No Frills Cardigan stricke, verstehe ich, warum dieser Unterschied auftritt.



Um die verschränkten Maschen zu vermeiden, müssen beim Wechsel auf Runden die rechten Maschen nicht durch das hintere Bein abgestrickt werden, sondern indem man von vorn durch die Masche geht, sie also wie beim "westlichen Stricken". Großer AHA Moment, als mir das klar wurde und ich auch Erfolg hatte beim Ausprobieren! Nach einer längeren Recherche fand ich bei Jeni dazu die Bestätigung.

Das bedeutet: Wer "combined" strickt und auf Runden wechselt mitten im Strickstück, sollte dort auf "western" wechseln. Das ist bei rechten(!) Maschen kein Problem und erfordert nur ein kurzes Umdenken. Also keine Sorge, dieser Wechsel der Methode ist recht unproblematisch.

Weil beim "combined" Stricken also die verdrehte rechte Masche sich nur durch eine linke Masche aufhebt, ergeben sich noch ein paar weitere Stolpersteine, die aber nur bedingt "schlimm" sind und alle Muster betrifft, bei denen die rechte Masche nicht durch eine linke Masche aufgelöst wird, zum Beispiel kleines  Perlmuster oder kraus rechts.


KRAUS RECHTS
Beim kraus rechts stricken habe ich die Unterschiede zu "western" erst im direkten Vergleich gesehen. Es entsteht ein anderes Maschenbild und die Höhe des Strickabschnittes wird größer, man braucht also weniger Reihen für die gleiche Höhe. Im direkten Vergleich sieht es tatsächlich auch nicht so schön aus, wie bei "western"gestrickten Maschen.
Daher würde ich sagen, ein kraus rechts gestricktes Stück ist vielleicht wirklich hübscher in der "western" als in der "combined" Methode. Wenn nur ein kurzes Stück, z.B. der Rand über zwei/drei Reihen kraus rechts gestrickt wird, finde ich es nicht so problematisch und würde einfach "combined" stricken.

linke Seite: kraus rechts combined - rechte Seite: kraus rechts western



"Combinded" und Abnahmen

Wie schon beim linkshändig Stricken muss auch beim "combined" Stricken beachtet werden, dass die Neigerichtung bei Abnahmen anders ist als beim "western" Stricken.
Rechtshändige "combined" Strickerinnen - das sage ich der Vollständigkeit halber - können einfach K2TOG und SSK untereinander austauschen.

Linkshändige "combined" Strickerinnen aber können das nicht. Die gute Nachricht: K2TOG linkshändig combined ergibt genau wie western rechtshändig eine nach rechts geneigte Abnahme. YEAH!
Für eine links geneigte Abnahme müssen wir aber K2TOG-TBL stricken. Also zwei Maschen zusammen stricken durch die hintere Schlaufe. "Hintere Schlaufe" bedeutet in diesem Fall nicht "hinter der Nadel" sondern das weiter hinten stehende Maschenbein, welches sich vor der Masche befindet. Es werden also nicht wie beim K2TOG zwei Maschen durch die hinteren Beine rechts abgestrickt, sondern die linke Nadel wird vorn von rechts nach links durch die 2. und dann die 1. Masche geschoben und dann wird regulär rechts abgestrickt. Toll erklärt hat dies Jeni Brown.

WICHTIG: Weil wir immer noch linkshändig stricken und deshalb mit der anderen Seite beginnen, als in den Anleitungen vorgesehen, ist es notwendig, 1) SSK durch K2TOG-TBL zu ersetzen und b)  die Begriffe K2TOG und K2TOG-TBL (ehemals SSK) miteinander auszutauschen. So sind die Abnahmen immer korrekt.

Wenn die Abnahmen keinen zierenden Zweck erfüllen, spare ich mir das Denken übrigens und stricke immer einfach nur zwei Maschen zusammen.

Überblick



Western rechts Western links Combined rechts Combined links
Rechte Masche Das vordere Maschenbein wird gestrickt, der Faden wird im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt. Die Masche wird über das hintere Maschenbein gestrickt, der Faden wird im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt.
Linke Masche Das vordere Maschenbein wird gestrickt, der Faden wird gegen den Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt Die Masche wird über das vordere Maschenbein gestrickt, der Faden wird immer im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt.
Rechtsgeneigte
Abnahme
K2TOG SSK SSK K2TOG
Linksgeneigte
Abnahme
SSK K2TOG K2TOG K2TOG TBL

 

 

Und was ist "Continental"?


Diese Frage lässt sich recht schnell beantworten. "Continental" ist eine der beiden Möglichkeiten, den Faden zu halten, nämlich auf der Hand mit der Arbeitsnadel oder eben auf der anderen Hand. Für linkshändig Strickende heißt das:
"English/throwing" = Faden auf der linken Hand  (Arbeitshand)
"Continental/picking" = Faden auf der rechten Hand (nicht Arbeitshand)

(Für die rechtshändigen ist es umgekehrt, logisch)


Der Faden liegt auf der rechten Hand, die linke Hand hält die Arbeitsnadel



Es scheint so, dass die Fadenhaltung Einfluss auf die Art der Strickmethode hat. Für Leute, die den Faden "continental" halten ist die "western" Art für linke Maschen ungleich umständlicher als für diejenigen, die den Faden "english" halten. Es scheint auch so, dass linkshändig Strickende diese Fadenhaltung bevorzugen. Einfluss auf das Stricken hat die Haltung eben nur, wenn dadurch das Verstricken der Maschen komfortabel oder unkomfortabel wird.


Ein Hoch auf die Vielfalt!


So, jetzt habe ich alles zusammengetragene Wissen hier ausgebreitet. Puh. Und ich höre schon einige sagen: "Wäre es nicht einfacher, man würde wenigstens auf 'western linkshändig' umsteigen?"
Vielleicht wäre es einfacher Strickschriften zu folgen. Aber einfacher zu stricken wäre es nicht. Eine angelernte Technik umzulernen bedeutet viel Arbeit und vermutlich mehr Kopfschmerzen als die Anleitungen anzupassen. Zumal ich glaube, dass die drei Komponenten "linkshändig", "combined" und "continental" zusammenhängen. Linke Maschen auf "western" Art mit "continentaler" Fadenhaltung stricken geht nicht wirklich flüssig.

Also nein, ich möchte meine Art zu stricken nicht dauerhaft ändern. Ich liebe Vielfalt und ich weiß: Es gibt viele "Wege nach Rom". Alle Methoden haben ihre Berechtigung und ich fände es schade, wenn eine verschwinden würde, nur weil die Mehrheit nunmal die andere Technik bevorzugt.
Ich mache aber einen Kompromiss: Da wo die rechte Masche kein linkes Pendant bekommt (wie kraus oder in Runden stricken) funktioniert es nur semi gut und ich bin gewillt, dort die rechten Maschen auf "western" Art zu stricken. Linke Maschen nach "western" Art sind für mich fürchterlich zu stricken und ich werde wohl nur in Runden gestrickte Bündchen so arbeiten, da ist das Ende vom Elend abzusehen.

Ganz arg am Herzen liegt mir, dass wir davon weg kommen, Menschen zu raten "einfach auf rechts umzulernen". Solche Äußerungen verkennen die Tatsache, dass viele Linkshänderinnen eben nicht "einfach" umlernen können. Es tut richtiggehend weh umzudenken. Und Linkshänderinnen können hervorragend mit links stricken, das ist also kein Problem. Es ist an uns allen, das Wissen über verschiedene Wege weiter zu geben und nicht aufzugeben, weil jemand uninformiert ist und dir sagt "du machst das falsch" oder "lern es lieber anders".
Natürlich brauchen linkshändig Strickende ab einem gewissen Punkt mehr Hintergrundwissen. Aber seit wann schadet das? Mehr Wissen, Fachfrau werden - was für ein genialer Nebeneffekt! Wenn man nicht mehr nur nach Schema strickt, sondern versteht, was da passiert. Ich sehe darin kein Problem.

Am Ende zählt, dass man bei dem, was man tut glücklich ist. Stricken soll Spaß und Freude bringen. Und zu wissen, dass nicht nur ein Weg zum Ziel führt, kann helfen, den individuellen richtigen Weg zu finden. Wenn es also mal hakt mit dem Handarbeiten, auch rechts und links gucken - vielleicht liegt dir ein anderer Weg einfach besser.


Herzlich,
Janine


Fünf Fragen am Fünften #2

Es ist wieder der Fünfte und damit Zeit für die Fragen von Nic . Diesmal haben sie es teilweise echt in sich und ich musste eine Weile nach...

Es ist wieder der Fünfte und damit Zeit für die Fragen von Nic. Diesmal haben sie es teilweise echt in sich und ich musste eine Weile nachdenken. Vor allem die Spontanitätsfrage konnte ich spontan nicht beantworten. *kicher* 




1. Bist du morgens nach dem Aufwachen gleich richtig munter?
Ja klaaaar. Total. Nein im Ernst: Vergesst mich. Ich war noch nie munter beim Aufwachen.

Es läuft (im Alltag) folgendermaßen: Ich werde aufgeweckt und stolpere irgendwie die Treppen runter an den Tisch und halte mich so lange, wie möglich am Kaffee fest. Diesen zu kochen (und das Aufwecken, und die Brotzeit schmieren, Kinder wecken, Frühstück machen ...) hat mein Mann erledigt. Ohne ihn wäre der Morgen wesentlich trauriger - für alle Beteiligten. Ich funktioniere einfach nicht richtig morgens.

Anders sieht es tatsächlich aus, wenn ich morgens in Ruhe starten kann ODER wenn ich was tolles vor habe, wie zum Beispiel sehr früh aufstehen um wandern zu gehen. DANN bin ich sofort munter UND gut gelaunt. 




2. Würdest du gern in die Zukunft blicken können?
Hmmmm. Nein, ich glaube nicht. Also ich weiß schon gerne, was kommt. Mag nicht so gern ungewisse Dinge. Aber die wirkliche Zukunft, die möchte ich nicht kennen. Zumal ich ja eher glaube, dass jeder von uns an der Zukunft mitgestaltet und daher gibt es ja keine fixe Zukunft. Sie ist also immer im Werden und verändert sich durch Millionen Einflüsse sekündlich. Und im schlimmsten Fall (wenn Zukunft wirklich schon festgelegt wäre) würde das Wissen um etwas Schreckliches zu Lähmung führen und dann könnte ich das Heute nicht genießen weil ich Angst vor dem Morgen hätte. 


3. Bist du gern allein?
Nein ... Ja ... Nein ... Doch ... Örks. Die Frage löst einen kleinen Kurzschluss in meinem Gehirn aus. *bzzz*

Ja, ich bin gern allein, für eine Weile. Wenn alle "Blagen" mal aus dem Haus sind, vorzugsweise mit Vater für mehrere Tage. Dann rocke ich das Haus und tu alles, was ich als Vorbildmutter nicht tun kann. Meistens vor allem sehr viel fernsehen und vor dem Zuckerfrei-Leben auch jede Menge ungesundes Zeug unreglimentiert essen. Ich genieße es dann total, in meinem ganz eigenen Rhytmus zu leben. Allerdings fänd ich es toll, wenn sie zum Schlafen wieder zu Hause wären und einfach am nächsten Morgen wieder wegfahren würden. Allein übernachten tu ich nämlich nicht gern.

Ich bin gern allein in den Bergen. Allein aufsteigen kann sehr schön sein und bleibende Erinnerungen schenken, habe ich beim Aufstieg auf den Jenner im Herbst 2016 erlebt.

Beim Thema Reisen bin ich wieder gespalten. Allein oder mit der Familie? Es kommt wohl drauf an, was für eine Reise es ist. Erlebnisse teilen ist einfach eine tolle Sache. Aber wenn mein Ziel ist, Fotos zu machen oder per Rad unterwegs zu sein, weiß ich, das geht besser allein. Aber auch hier: Über Nacht dürften gern alle da sein.

Vor allem bin ich nicht gerne lange allein. Dann wird es mir zu still. Und dann fang ich an, mit mir selbst zu reden. Kein gutes Zeichen. :)
Diese Alleinmomente aber, die liebe ich - das Leben um mich rum ist nämlich extrem trubelig.



4. Traust du dich, als Erste auf die Tanzfläche zu gehen?
Kommt auf den Alkoholpegel an und nein, vermutlich müsste eine Freundin mit. Jedenfalls war das früher so. Zur Zeit stellt sich die Tanzflächenfrage einfach nicht, weil ich nicht tanzen gehe.


5. Was war bisher die spontanste Aktion deines Lebens?
Die spontanste Aktion? Ich bin mitten in der Vorlesung an der Uni mit einer Kommolitonin zum Handy kaufen gefahren statt weiter zuzuhören. Damals gab's grad diese Prepaid Handys für nen Appel und nen Ei mit inklusive wasweißich vieviel Startguthaben. So kam ich zu meinem ersten Handy. 
 
Das ist inzwischen gut 15 Jahre her und jetzt muss ich hier die Hosen runterlassen, was? Ich bin nicht spontan. Gar nicht. Oder nicht so, wie "spontan" vermutlich gedacht wird. Ich muss nicht alles ins kleinste planen, auch nicht lang im Vorraus. Aber so richtig spontan? Nein, das war ich wohl noch nie. Dafür ist mein Leben auch zu sehr gelenkt durch andere Menschen. Kinder lassen einen relativ unspontan werden oder bestätigen die innewohnende Unspontanität noch. Es fehlt mir aber auch nicht. Öfter würde ich mir gerne einen Ruck geben, gedachte Dinge auch wirklich zu tun. Aber so crazy spontanes Zeug? Nein, das fehlt mir nicht. 

Interessanterweise war diese Frage für mich schwer und ich habe sie als allerletzte Frage beantwortet. Weil es sich anfühlt, als müsse man (heute) spontan sein. Crazy. Öfter mal einfach tun. Und wenn man das dann nicht ist, dann klingt das schon langweilig. Dabei finde ich mich nicht langweilig und mein Leben auch nicht. Und deshalb habe ich die Frage beantwortet. Für mich.


Herzlich,
Janine